Archiv der Kategorie: Interviews

»Gewaltsame Provokation«

Der Gesandte Emmanuel Nahshon

Israels Militäreinsatz gegen die Gaza-Flottille ist auch in Berlin auf heftige Kritik gestoßen. Wie wirkt sich das auf die deutsch-israelischen Beziehungen aus?
Das Verhältnis ist sehr gut und freundschaftlich, beide Staaten pflegen einen offenen und transparenten Dialog. Wir stimmen nicht jederzeit in allen Punkten überein. Aber wenn es Meinungsunterschiede gibt, werden sie im Rahmen eines guten Miteinanders behandelt.

Zu den Meinungsunterschieden gehört, dass Berlin die Verhältnismäßigkeit des Militäreinsatzes infrage gestellt hat. So kritische Töne hört man selten.
Das betraf einzelne Aspekte unserer Aktion. Doch glauben wir, dass diese Kritik nicht berechtigt ist. Wir haben im Rahmen des internationalen Rechts agiert. Israel musste gegen Aktivisten vorgehen, die nichts mit Frieden und humanitärer Unterstützung zu tun hatten, sondern ausschließlich auf gewaltsame Provokation aus waren. Das haben wir der deutschen Regierung erläutert. Und wir hoffen, dass sie, nachdem wir auch eine Untersuchungskommission eingerichtet haben, unsere Position versteht und akzeptiert.

Waren die Reaktionen aus Berlin und anderen europäischen Hauptstädten übereilt?
Ich denke, dass man besser abgewartet hätte, um die wirklichen Hintergründe des Einsatzes gegen die Gaza-Flottille zu kennen.

Wie kommentieren Sie jetzt Forderungen nach Aufhebung der Gaza-Blockade?
Erst einmal möchte ich betonen, dass wir die Blockade nicht errichtet haben, um der palästinensischen Bevölkerung zu schaden. Wir haben es getan, weil Gaza zu einem von Iran unterstützten Zentrum des Terrors geworden ist. Und weil sich ein israelischer Soldat seit nunmehr vier Jahren in Gaza in Gefangenschaft befindet. Unsere Regierung analysiert jetzt, ob die Blockade wirklich den Interessen Israels entspricht und eine geeignete Maßnahme darstellt. Klar ist, dass wir Änderungen vornehmen müssen. Denn es zeigt sich deutlich, dass nicht alle unsere Ziele erreicht wurden. Die israelische Regierung wird anhand der Fakten eine Entscheidung treffen.

Wie bewerten Sie den politischen Kurs der Linkspartei im Zusammenhang mit der Gaza-Flottille?
Die Linke ist eine wichtige politische Partei, mit der wir in gutem Kontakt stehen. In Bezug auf die beiden an der Mission im Mittelmeer beteiligten Bundestagsabgeordneten sind wir der Meinung, dass sie unverantwortlich gehandelt haben. Sie haben sich in eine Situation manövriert, in der sie von Terror-Aktivisten manipuliert wurden. Das ist aber ihr persönlicher Fehler und hat nichts mit der Linken als Partei zu tun.

Es gibt nicht nur Kritik: In Köln und Berlin fanden am Sonntag Solidaritätskundgebungen statt. Wie bewerten Sie das?
Wir begrüßen es, dass die Freunde Israels die Courage hatten, öffentlich ihre Meinung kundzutun.

Mit dem Gesandten der israelischen Botschaft in Berlin sprach Detlef David Kauschke.

(erschienen in der Jüdischen Allgemeinen, 17.6.10)

Advertisements

Botschafter Ben-Zeev im Hamburger Abendblatt

Foto: BILD

Israels Botschafter in Deutschland, Yoram Ben-Zeev hat in einem Kommentar für das Hamburger Abendblatt die Möglichkeit eines Friedens im Nahen Osten bekräftigt – trotz aller Fährnisse in der Region.

„Man kann verschiedener Meinung sein über Schritte, die Israel im Lauf seiner Entwicklung unternommen hat. Tatsache ist jedoch, dass unser Staat von einem Meer des Hasses und der Feindschaft umgeben war  – und leider ist. Diese Mauer des Hasses zu durchbrechen ist unsere Aufgabe und Verpflichtung. Friedensverträge mit Ägypten und Jordanien haben wir bereits geschlossen, wir werden weiter an einer Übereinkunft mit den Palästinensern und den Nachbarstaaten arbeiten. Hinsichtlich der  Verhandlungen mit den Palästinensern müssen neben Themen wie Grenzen, Jerusalem und Flüchtlinge drei zentrale Punkte geklärt werden: Ist Israel bereit, die Zwei-Staaten Lösung zu akzeptieren, zu implementieren und ihr entsprechend zu handeln? Als jemand, der sich seit den Verträgen von Oslo intensiv mit den Friedensverhandlungen beschäftigt, sage ich mit voller Überzeugung: Ja, Israel hat dies akzeptiert. Ministerpräsident Netanyahu hat sich im Juni 2009 in der Bar-Ilan-Universität diesbezüglich eindeutig geäußert. Was die beiden anderen Punkte angeht, bin ich weniger optimistisch.

Sind die Palästinenser und die arabische Welt bereit, den Konflikt endgültig zu beenden? Anders gefragt: Wenn wir in unseren Verhandlungen zu einer Übereinkunft gelangen sollten, würden die Palästinenser und die arabischen Staaten anschließend tatsächlich keinerlei weitere Forderungen an Israel stellen? Ich bin sicher: Wenn es auf palästinensischer und arabischer Seite eine solche klare und öffentlich bekundete Bereitschaft gäbe, könnten wir einen echten Frieden mit allen unseren Nachbarn erreichen. Das dritte Thema ist die Gefahr, die vom Iran ausgeht. Die Menschen haben zum Nahostkonflikt verschiedene Ansichten. Das ist legitim. Es hilft jedoch nicht, die Augen vor der Realität zu verschließen. Wir erleben eine zunehmende Radikalisierung mit besorgniserregendsten Auswüchsen im Iran. Israel, die moderaten arabischen Staaten und der größte Teil der Weltgemeinschaft sind besorgt über das Bestreben des Iran, eine Atombombe zu besitzen. Klar ist: Ein atomar bewaffneter Iran würde es nicht zulassen, dass die ersten beiden genannten Punkte erreicht werden.

Der Iran unternimmt schon jetzt alles, um jegliche Möglichkeit einer friedlichen Lösung zu torpedieren, indem er Terrororganisationen wie Hamas und Hisbollah unterstützt. Wenn Ahmadinedschad sagt, Israel müsse von der Landkarte verschwinden, dann meint er, was er sagt, und sagt, was er meint. Die Frage ist, wie wir damit umgehen.

Trotz allem bin ich aber überzeugt, dass die meisten Menschen im Nahen Osten der Wunsch eint, in Frieden zu leben. Sicherlich – der Prozess ist schwierig. Doch er ist nicht unmöglich!“

Das vollständige Interview gibt es unter dem folgenden Link

(Hamburger Abendblatt, 05.05.10)